Zuletzt aktualisiert: 20.08.2026 · Lesezeit: 5-6 Minuten
GitLab vs. Forgejo im direkten Vergleich: Zwei identische VMs, zwei Installationen, ein kompletter Durchlauf von Setup bis CI/CD-Pipeline. Der Praxistest zeigt, wo GitLab seine Stärken ausspielt, wo Forgejo mit weniger Aufwand mehr erreicht.
Die wichtigsten Punkte in 30 Sekunden:
- GitLab benötigt mindestens 4 GB RAM (empfohlen 8 GB), Forgejo lief im Test bereits mit 1 vCPU und 1 GB RAM problemlos.
- GitLab bringt CI/CD, Container-Registry, Security-Scans und viele Integrationen von Haus aus mit – dafür auch mit entsprechendem Ressourcenbedarf.
- Forgejo ist komplett kostenlos und Open Source, erweiterte Funktionen müssen bei Bedarf selbst nachgerüstet werden.
- Forgejo Actions ist weitgehend kompatibel zu GitHub Actions – bestehende Workflows lassen sich oft direkt übernehmen.
- GitLab eignet sich für größere Teams mit hohen Compliance-Anforderungen, Forgejo für kleinere Teams und ressourcenschonende Setups.
Das Test-Setup: Was und wie habe ich getestet?
Im Rahmen meiner Ausbildung sollte ich mir GitLab und Forgejo mal genauer anschauen: zwei identische VMs aufsetzen, beide installieren, damit herumspielen und am Ende sagen, welches Tool für wen Sinn macht. Klang erstmal nach einer Nachmittagsaufgabe. Es war nicht ganz so trivial, aber genau deswegen ist der Vergleich am Ende auch interessanter geworden als ich dachte.
Damit der Vergleich möglichst fair ist, habe ich auf zwei identischen Ubuntu-26.04-VMs gestartet. Anfangs liefen beide mit 2 vCPUs und 2 GB RAM. Mein Ziel war es nicht nur die Installation zu vergleichen, sondern den kompletten Lifecycle durchzugehen:
- Installation & Konfiguration
- Einrichtung von CI/CD und Runnern
- Erstellen von Repositories, Issues sowie Pull-/Merge-Requests
- Ausführung einer Test-Pipeline
So konnte ich beide Systeme unter möglichst ähnlichen Bedingungen miteinander vergleichen.
GitLab: Kann viel, will aber auch Ressourcen
Fangen wir mit GitLab an, weil das bei uns bei NETWAYS ohnehin das Tool ist, das die meisten kennen. Wer sich GitLab anschaut, merkt schnell: Das ist längst keine einfache Git-Oberfläche mehr. CI/CD, Container-Registry, Package-Registry, Security-Scans, Projektboards und viele weitere Funktionen sind bereits integriert. GitLab versteht sich klar als komplette DevOps-Plattform.
Die erste Hürde: Die Installation von GitLab
Bei mir hat sich das schon direkt bei der Installation bemerkbar gemacht. Meine erste VM war schlicht zu klein dimensioniert. Während der Installation brach GitLab mit einem dpkg-Fehler ab.
Nach etwas Recherche war schnell klar, woran es lag: Zu wenig RAM und zu wenig Speicherplatz. GitLab Omnibus benötigt mindestens 4 GB RAM, besser sogar 8 GB, sowie ausreichend Swap und freien Speicher. Erst nachdem ich die Ressourcen erhöht hatte, lief die Installation ohne Probleme durch.
Das klingt erstmal nach einem kleinen Detail, zeigt aber ziemlich gut, worauf man sich bei GitLab einstellen muss: Die Software bringt viele Funktionen mit, benötigt dafür aber auch entsprechend mehr Ressourcen.
CI/CD & Schnittstellen
Auch beim Thema Integrationen merkt man sofort den Enterprise-Anspruch. GitLab bringt bereits von Haus aus viele Schnittstellen mit:
- Webhooks
- Container- und Package-Registry
- Kubernetes-Integration
- Jira-Anbindung
- zahlreiche weitere Integrationen
Für CI/CD wird zusätzlich ein GitLab Runner benötigt. Dieser wird als eigener Dienst installiert und anschließend über ein Token mit der GitLab Instanz registriert. Die Konfiguration erfolgt über die Datei /etc/gitlab-runner/config.toml.
Sobald anschließend eine .gitlab-ci.yml im Repository liegt, werden Pipelines nach einem Push automatisch ausgeführt. Insgesamt funktioniert das sehr komfortabel und erfordert nach der Ersteinrichtung kaum zusätzlichen Aufwand.
Lizenz & Kosten von GitLab
Auch bei den Kosten gibt es klare Unterschiede.
Die kostenlose Community Edition reicht für viele kleinere oder mittlere Projekte völlig aus. Wer allerdings erweiterte Security-Scans, Compliance-Funktionen, Audit-Logs oder weitere Enterprise Features benötigt, landet schnell bei Premium oder Ultimate und diese Lizenzen werden pro Benutzer und Monat berechnet.
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Forgejo: Schlank, kostenlos, aber mit mehr Eigenaufwand
Forgejo lief bei mir dagegen bereits beim ersten Versuch problemlos durch und das mit deutlich weniger Ressourcen. Selbst mit lediglich 1 vCPU und 1 GB RAM funktionierte die Installation problemlos. Im Leerlauf verbraucht Forgejo häufig sogar weniger als 100 MB RAM.
Die Oberfläche kam mir sofort bekannt vor. Wer bereits GitHub benutzt hat, findet sich praktisch ohne Einarbeitung zurecht. Alles wirkt aufgeräumt und deutlich schlanker als bei GitLab.
Auch alltägliche Aufgaben wie das Erstellen eines Repositories oder eines Issues gingen spürbar schneller, einfach weil weniger Menüs und Einstellungen im Weg stehen. Gerade für kleinere Projekte ist das wirklich angenehm.
Kosten & Funktionen von Forgejo
Hier unterscheidet sich Forgejo grundlegend von GitLab.
Forgejo ist ein vollständiges Open Source Projekt. Es gibt keine kostenpflichtigen Editionen, keine Premium-Version und keine Paywalls. Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass alle Funktionen fehlen. Der große Unterschied besteht eher darin, wie man sie bekommt.
Erweiterte Security-Scans oder Compliance-Funktionen sind bei Forgejo nicht direkt integriert. Dafür kann man viele Funktionen selbst nachrüsten. Man bezahlt also kein Geld für zusätzliche Features, sondern investiert stattdessen etwas mehr Zeit in die eigene Konfiguration.
CI/CD & Runner
Auch Forgejo besitzt inzwischen ein eigenes Actions-System, das weitgehend kompatibel zu GitHub Actions ist.
Allerdings sind die Actions standardmäßig deaktiviert. Zuerst muss man sie in der app.ini aktivieren:
[actions]
ENABLED = trueDanach wird ein eigener Runner benötigt, beispielsweise der Forgejo Runner oder act_runner.
Der Runner wird installiert, anschließend per Token mit Forgejo verbunden und danach konfiguriert. Workflows liegen – ähnlich wie bei GitHub – unter .forgejo/workflows/ oder .github/workflows/.
Der größte Unterschied zu GitLab besteht also darin, dass man etwas mehr Eigenarbeit investieren muss, bis alles einsatzbereit ist.
Spezialfunktionen von Forgejo
Neben dem sehr geringen Ressourcenverbrauch bringt Forgejo noch einige interessante Besonderheiten mit. Ein großer Pluspunkt ist die GitHub-Actions-Kompatibilität. Bereits vorhandene GitHub-Workflows lassen sich häufig nahezu unverändert übernehmen.
Außerdem arbeitet Forgejo an einem spannenden Zukunftsfeature: der Föderation über ActivityPub. Ziel ist es, verschiedene Forgejo-Instanzen miteinander zu verbinden, sodass beispielsweise Issues oder Pull Requests instanzübergreifend erstellt werden können.
Fazit: Welches Tool passt zu wem?
Wenn ich ehrlich bin, gibt es hier keinen klaren Gewinner im Vergleich von GitLab vs. Forgejo.
GitLab würde ich Unternehmen mit größeren Teams, komplexen CI/CD-Pipelines und hohen Anforderungen an Security oder Compliance empfehlen. Der höhere Ressourcenbedarf und die möglichen Lizenzkosten lohnen sich, weil man eine sehr umfangreiche All-in-One-Lösung bekommt.
Forgejo sehe ich dagegen vor allem bei kleineren Teams, Einzelprojekten, Heimservern oder generell überall dort, wo Ressourcen und Budget eine größere Rolle spielen. Es ist schnell installiert, extrem ressourcenschonend und komplett kostenlos. Man muss lediglich bereit sein, bei CI/CD und einigen Spezialfunktionen etwas mehr Zeit in die eigene Konfiguration zu investieren.
Am Ende ist es also keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern von „was brauche ich gerade“. Wer sich nicht sicher ist, dem würde ich genau das empfehlen, was ich gemacht habe: Einfach zwei VMs aufsetzen, beide Systeme selbst ausprobieren und anschließend entscheiden, welches besser zu den eigenen Anforderungen passt.
